Partizipation PDF Drucken

„Partizipation“ (lat.) bedeutet übersetzt „Teilhabe“ oder „Teilnahme“.

Der Begriff wird oft im politischen Kontext verwendet und meint die Einflussnahme auf demokratische Entscheidungsprozesse durch unterschiedliche Formen der politischen Mitsprache. Im sozialen Kontext bezeichnet Partizipation die Mitwirkung von Individuen oder Gruppen an Entscheidungen, die das eigene Leben und das der Gemeinschaft betreffen.

Das Kinder- und Jugendhilfegesetz schreibt über die Partizipation von Kindern und Jugendlichen: „Kinder und Jugendliche sind entsprechend ihrem Entwicklungsstand an allen sie betreffenden Entscheidungen der öffentlichen Jugendhilfe zu beteiligen.“ (§8,1;SGB VIII)

Die Mitsprache und Mitbestimmung der Kinder ist an kein bestimmtes Alter gebunden und ist das Recht eines jeden Kindergartenkindes.

Den Weg zu mehr Mitsprache und Mitverantwortung zu beschreiten bedeutet gleichzeitig, die Kinder zu befähigen:

1.      - sich ihrer eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Ansprüche bewusst zu werden und diese angemessen zum Ausdruck zu bringen

2.      - Erwartungen und Bedürfnisse Anderer wahrzunehmen, ihnen zuzuhören und sich einfühlen zu können

3.      - die Existenz unterschiedlicher Erwartungen, Meinungen und Wünsche zu akzeptieren

4.      - es auszuhalten, dass der eigene Wunsch nicht immer durchgesetzt werden kann

5.      - sich über unterschiedliche Erwartungen zu verständigen und Kompromisse auszuhandeln

Der Erwerb dieser Fähigkeiten ist abhängig vom Entwicklungsstand der Kinder, ihrer Umgebung, und dem Verhalten der Erwachsenen ihnen und anderen gegenüber.

Die Kinder müssen sich diese Fähigkeiten handelnd erwerben. Sie benötigen Gelegenheiten zur Partizipation, geeignete Mitsprache- und Mitbestimmungs-formen und eine angemessene Unterstützung durch Erwachsene.

Im Kindergartenalltag bietet das soziale Miteinander ununterbrochen Möglichkeiten, die Partizipationskompetenzen zu üben: z.B. während des gemeinsamen Spiels, bei auftretenden Konflikten oder in der Beziehung zu den ErzieherInnen.

Die ErzieherInnen bemühen sich um eine dialogische Haltung. Sie erleben die Kinder als Experten für ihre Lebensräume, Empfindungen, Weltsicht, und streben einen mehr gleichberechtigten als dominanten Umgang an. Konkret heißt das, die Kinder zu ermutigen, ihre Meinung, Kritik und Wünsche zu äußern und diese Äußerungen ernst zu nehmen; Regeln zu diskutieren; die Kinder dabei zu unterstützen, ihre Konflikte selbst und auf konstruktive Weise zu lösen und sich ebenfalls um die konstruktive Lösung von Konflikten zu bemühen; die Kinder eigene Erklärungen entwickeln zu lassen ohne vorschnell einzugreifen, und sie an Entscheidungen des alltäglichen Lebens zu beteiligen (Planung von Festen, Ausflügen, Projekten…).

Kinderkonferenz

Ungefähr einmal in der Woche findet eine Kinderkonferenz statt. Sie ist eine Institution, die die Mitsprache und Beteiligung der Kinder für eine begrenzte Zeit ausdrücklich in den Mittelpunkt stellt. In der Kinderkonferenz haben die Kinder regelmäßig die Gelegenheit, sich in verschiedenen Bereichen der Gesprächs-kultur zu üben: sich vor der Gruppe äußern, andere Kinder ausreden lassen und ihnen zuhören, eigene Ideen, Erlebnisse, Bedürfnisse, Beschwerden, Gedanken formulieren, mit anderen Kindern über Themen diskutieren oder Konflikte aushandeln. Jedes Kind soll das Vertrauen entwickeln, das Recht auf seine eigene Meinung zu besitzen. Die ErzieherInnen üben sich darin, zuzuhören und nicht zu werten, zu belehren oder kluge Ratschläge zu geben.

Partizipation im Kindergartenalltag

Der Wunsch der Kinder nach Selbständigkeit und ihre Bereitschaft, Verant-wortung zu übernehmen, werden durch zahlreiche Mitwirkungsmöglichkeiten im Alltag unterstützt: jedes Kind kümmert sich um seinen Rucksack und sein Vesper, die Kinder schieben den Bollerwagen und beteiligen sich beim Packen, sie übernehmen die Aufgaben beim Hände waschen, im Morgenkreis sind die Kinder abwechselnd für das Verteilen der Regeln und die Zählrunde verantwortlich und die älteren Kinder übernehmen Patenschaften für die neuen Kinder.

Die Realisierung einer dialogischen Beziehung zwischen ErzieherInnen und Kindern, die den Kindern ihr Recht auf Mitsprache und Mitwirkung zugesteht, wird als Prozess des gegenseitigen Wachstums verstanden.